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Mythen - Getreide im (Katzen-)Futter ist ungesund und ein billiger Füllstoff?!

"es ist ungesund, dass fleischfressende Katzen Getreide im Futter haben"

DAS ist falsch!

Katzen sind strikte Karnivore (Fleischfresser)*, d. h. Kohlenhydrate (Stärke) sind für sie gänzlich verzichtbar, sofern ihnen genug Aminosäuren mit der Nahrung zugeführt werden. Denn sie können ihren Energiebedarf komplett aus tierischen Proteinen und tierischem Fett bestreiten. Sie stellen in der Leber aus Proteinen, bzw. aus den darin enthaltenen Aminosäuren, selbst Glucose her (Gluconeogenese). Bei Zufuhr von, im Getreide enthaltenen, Kohlenhydraten, können Aminosäuren für die Energiegewinnung einspart und diese stattdessen im Stoffwechsel für die Erhaltung des Gewebes und des Immunsystems genutzt werden. Katzen sind fähig bis zu 40 % ihres Energiebedarfes über gut aufgeschlossene Stärke zu decken.

Was ist „hochwertiges“ Protein?
Bei der Definition eines hochwertigen Proteins spielen die Verdaulichkeit und Bioverfügbarkeit eine wichtige Rolle:

  • Ein Protein gilt als hochverdaulich, wenn es leicht in seine Aminosäuren aufgespalten werden kann.

  • Proteine gelten als bioverfügbar, wenn die von ihnen bereitgestellten Aminosäuren den Zellen und Geweben des Körpers zur Verfügung stehen.

 

Was ist eigentlich Getreide?

Getreide ist ein wichtiger Energielieferant und keinesfalls als billiger Füllstoff zu bezeichnen. In jedem Korn stecken Nähr- und Inhaltsstoffe, wie hochverdauliche Proteine (Aminosäuren), hochwertige Fette (ungesättigte Fettsäuren), Fasern als Ballaststoffe, lebensnotwendige Mineralstoffe und Vitamine. Vor allem aber energieliefernde Kohlenhydrate in Form von Stärke sind im Weizenkorn zu finden. Verdauungsprobleme, ausgelöst durch pflanzliche Proteinquellen, sind also nicht zu erwarten.

Warum enthält Katzenfutter überhaupt Getreide?

Der Proteingehalt in der Tiernahrung muss den hohen Bedarf der Katze decken*, jedoch ist nicht der Fleischanteil entscheidend. Es kommt darauf an, dass ausreichend hochwertiges Protein in der Nahrung enthalten ist.

Es gibt Trocken- und Nassfutter mit unterschiedlichen Anteilen an Getreide, Gemüse und Obst. Pflanzliche Inhaltsstoffe werden in Alleinfuttermitteln als Ballaststoffe eingesetzt und unterstützen die Darmbakterien und eine normale Verdauung. Ein optimales Aminosäureprofil ist für eine ausgewogene Ernährung essenziell und wird am besten durch eine Kombination verschiedener Proteinquellen erreicht. Pflanzliche und tierische Proteinquellen ergänzen sich hervorragend.

*dies ist bei allen gängigen Futtersorten, unabhängig ob trocken oder nass, gegeben.

Was bedeutet bei Futtermitteln "getreidefrei"?

Statt auf Getreide wird in diesen Fällen meist auf andere Quellen für Proteine und Kohlenhydrate (Zucker) zurückgegriffen, wie beispielsweise Gemüse, Reis, Kartoffeln und bestimmte Hülsenfrüchte. Diese Futtermittel enthalten also ebenfalls, manchmal sogar in der gleichen hohen Mengen, pflanzliche Proteine und Kohlenhydrate in Form von Stärke.

Ohne Stärke wäre die Produktion von Trockenfutter gar nicht möglich, denn sie wirkt als natürlicher Kleber für die Zutaten und sorgt dafür, dass sich die Inhaltsstoffe zu einer Krokette formen lassen. Darüber hinaus wird der enthaltene Zucker als technischer Hilfsstoff benötigt (Maillard-Reaktion).

Löst Getreide (Gluten) bei Katzen Allergien aus?

Nein,
ein ebenfalls weitverbreitetes Gerücht ist, dass das in Getreide (Weizen, Roggen und Gerste) enthaltene Gluten (Gliadin) Allergien auslöst. Tatsächlich ist es aber so, dass eine Glutenunverträglichkeit* bei Katzen noch nie nachgewiesen wurde (und selten bei Hunden).

Ist aber tatsächlich eine Futtermittelallergie nachgewiesen, ist es meist keine Glutenunverträglichkeit, sondern das enthaltene Protein, auf das ein Tier allergisch reagiert. Proteine sind in pflanzlichen (z. B. Getreide) und tierischen Rohstoffen (z. B. Huhn, Rind) enthalten. Katzen (und Hunde) können also auch auf das in Fleisch enthaltene tierische Protein allergisch reagieren. Nachweislich kommt eine Allergie auf Weizenproteine nicht häufiger vor als eine Allergie auf tierische Proteine.

Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise, dass eine glutenfreie Ernährung für Katzen Vorteile hätte.

*Zöliakie, eine Autoimmunerkrankung, die bei Menschen mit einer entsprechenden genetischen Veranlagung auftritt und durch die Aufnahme von Gliadin ausgelöst wird (ca. 0,5 – 1 % der Menschen weltweit sind betroffen).

Zusammenfassung

  • Getreidehaltiges Katzenfutter sichert eine ausgewogene Ernährung.

  • Die in einer Tiernahrung enthaltenen Nährstoffe sind entscheidend für ihre Qualität, nicht die Inhaltsstoffe.

  • Getreide ist ein wertvoller Energie- und Nährstofflieferant.

  • Katzen können sowohl gegen tierische als auch gegen pflanzliche Proteine allergisch sein.

*Alle obligaten Fleischfresser sind Hyperkarnivoren. 
Ein Hyperkarnivore ist ein Tier, dessen Ernährung zu mehr als 70 % aus tierischem (Fleisch) besteht, entweder durch aktives Jagen oder durch Aasfressen. Die restliche Ernährung kann aus nicht-tierischem, wie Pilzen, Früchten oder anderem Pflanzenmaterial, bestehen.
Jede Art aus der Familie der Katzen (Felidae), einschließlich der Hauskatze, ist ein Hyperkarnivor. Falbkatzen (Felis lybica lybica), der Ursprung unserer Hauskatzen, ernähren sich in erster Linie von kleineren Nagetieren, Vögeln oder anderen Kleintieren wie Amphibien und Reptilien, sowie Spinnen, Insekten oder sogar Skorpionen. In einigen Regionen zählen Walzenspinnen zur Hauptnahrung.

Tags: Ernährung
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